Hermann Wilhelm Schäfer: Ein Sohn des Rhein-Lahn-Kreises
Seit 1993 befindet sich der künstlerische Nachlass des
Malers und Zeichners Hermann Schäfer im Eigentum des Rhein-Lahn-Kreises. Damals
hat der Neffe des Künstlers, Konrad Allgayer aus Brühl, seinen gesamten Bestand
von der Hand seines Onkels der Kreisverwaltung zu Bad Ems als ein überaus
kostbares und außergewöhnliches Geschenk übereignet.
Der Grund für diese Schenkung war der Umstand, dass Hermann Schäfer in unserem Kreisgebiet, in der Philippsburg zu Braubach, im Jahre 1906 das Licht der Welt erblickt hat. In Braubach fand der früh – mit nur dreißig Jahren - Verstorbene auch seine letzte Ruhestätte.
Der Rhein-Lahn-Kreis hat 1996 eine Gedächtnisausstellung mit dem Titel „Vergessene Werke“ zum 90. Geburts- und 60. Todestag Hermann Schäfers im Kreishaus Bad Ems und im Künstlerhaus Schloss Balmoral Bad Ems gezeigt, zu der ein kurz gefasstes Katalogheft erschien. Schäfers Oeuvre wurde in einem Werkkatalog zusammengefasst.
Zu Hermann Schäfers 100. Geburtstag hat der Rhein-Lahn-Kreis mit den Autoren Andreas Gabelmann und Renate Ebner einen reich illustrierten Katalog herausgegeben, eine umfangreiche Ausstellung im Kreishaus begleitend.
Hermann Schäfer
war ein enorm fleißiger Zeichner und Maler und hat ein für seine kurze
Lebenszeit sehr umfangreiches und spannendes Oeuvre hinterlassen. Er sah sich
selbst als Reporter seiner Zeit, was er sicherlich auch war. Möge auch
diese Internet-Präsentation dazu beitragen, dass er in der rheinischen Kunstgeschichte
einen gebührenden Platz erhält!
Lebenslauf:
Hermann Wilhelm Schäfer wurde als Sohn des rheinischen Schriftstellers Wilhelm
Schäfer (1868‑1952) in der Braubacher Philippsburg geboren.
1907 zog er mit der Familie nach Vallendar bei Koblenz.
Nach der Grundschule besuchte er das Internat der Odenwaldschule bei
Heppenheim. Dort erhielt er die erste Impulse zur Bildenden Kunst durch den
Schweizer Kunsterzieher Fritz Frei.
1923 bis 1925 studiert Hermann Wilhelm Schäfer an der Kunstakademie Karlsruhe bei
August Babberger, Hermann Gehri und Walter Conz.
1925 entscheidet er sich gegen Düsseldorf und setzt bis 1927 sein Studium an
der Akademie Stuttgart bei Heinrich Altherr fort. Mit dem neusachlichen Maler
Reinhold Nägele, der aber nicht an der Akademie lehrt, entwickelt sich eine
Freundschaft. Am Akademiebetrieb hat Hermann Schäfer wenig Freude, aber es
entsteht eine Vielzahl von Zeichnungen und Studien, die der junge Künstler in
Bahnhöfen, Gaststätten und bei Veranstaltungen fertigt.
1927 verlässt Hermann
Wilhelm Schäfer zur Freude von Professor Altherr die Akademie und beginnt bei
dem Kölner Kunstmaler Johann Greferath eine dreijährige Lehre. Es entstehen nun
die ersten Ölbilder mit Stadtlandschaften und Bildnissen. Seit dem ersten
Rennen auf dem Nürburgring 1927 bleibt Schäfer treuer Besucher dieses und
anderer Motorsportereignisse, was sich in seinem Werk vielfach widerspiegelt.
1931 ist Hermann Wilhelm Schäfer wieder zurück im Hause seiner Mutter in
Vallendar und findet Arbeit als Pressezeichner beim Koblenzer Nationalblatt.
Der Vater Wilhelm Schäfer, der inzwischen am Bodensee ansässig geworden ist,
hat sich von Anfang um Hermanns Ausbildung gekümmert und ihm Wege geebnet. Nun
beauftragt er den Sohn mit Illustrationen seiner Bücher. In unermüdlichem Fleiß
entstehen zahlreiche Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen. Dies alles ernährt seinen
Mann aber nicht.
1932 beteiligt er sich an der „Kunstausstellung Koblenzer Künstler“. 1933 hilft
er beim Aufbau und der Ausstattung der familieneigenen „Christoprushütte“ auf
dem Oberjoch. Zudem unternahm er mehrere Reisen, unter anderem nach Berlin,
Paris, Italien, an den Bodensee und in die Schweizer Alpen.
Erst 1935 öffnet sich für Hermann Wilhelm Schäfer eine echte
Zukunftsperspektive: er geht nach Essen, wo er in einer festen Anstellung bei
der „Rheinisch-Westfälischen-Zeitung“ als Pressezeichner arbeitet. Schon ein
Jahr später erkrankt er an einem Gehirntumor; die Operation an einer Würzburger
Klinik verläuft erfolgreich, aber Hermann Schäfers Herz versagt am 23. Oktober
1936. Mit nur dreißig Jahren ist sein Leben zu Ende. Seine Asche wurde auf dem
Martinsfriedhof unter der Rotbuche in Braubach beigesetzt; das Grab ist
aufgelassen.